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AndachtZum Gedenken an den 11. September 2001„Gott, tue unseren Mund auf!“
MusikBegrüßung: Ein Jahr ist es her, dass uns das Blut in den Adern stockte. Ein Jahr ist es her, dass sich Bilder in unseren Kopf und in unser Herz eingruben und nicht mehr weichen wollten; ein Jahr ist es her, dass unser Mund den Schrei kaum herausbrachte: „Wende dich zu mir, Gott, und sei mir gnädig; denn ich bin einsam und elend. Die Angst meines Herzens ist groß; führe mich aus meinen Nöten. Sieh an meinen Jammer und mein Elend und vergib mir alle meine Sünden! Bewahre meine Seele und errette mich; Lass mich nicht zuschanden werden, denn ich traue auf dich! Unschuld und Redlichkeit mögen mich behüten; Denn ich harre auf dich. Gott, erlöse uns aus all unserer Not.“ (Psalm 25,16-18.20-22) Nach diesem Jahr lasst uns der Katastrophe gedenken, die da geschehen ist: Lasst uns denken an die, die direkt betroffen sind, an die, die ihr Leben lassen mussten, und an die, die weiterleben mussten in einem für sie ärmer gewordenen Leben. Nach diesem Jahr lasst uns bedenken, was dies Geschehen für uns bedeutet, was es uns sagt über unser Leben. Es sei bei uns und helfe uns Gott, der Vater, der uns geschaffen hat und will in unserem Leben, der Sohn, der uns liebt und begleitet, und der Heilige Geist, der uns tröstet und Mut macht, immer wieder. Wir brauchen ihn.
Liedvorschlag (283,1-2): Herr, der du vormals hast dein Land mit Gnaden... Gebet: Gott, gefangen sind wir in dieser Welt, die wir nach unseren Maßstäben organisieren, wo es Krieg gibt und Terror, offen und verborgen, Hass und Unterdrückung, Leben der einen auf Kosten der anderen. Das bekennen wir vor dir, Gott, das klagen wir dir: Verfangen haben wir uns in unserer Welt, die doch deine Schöpfung ist. Du hast sie uns geschenkt, damit wir in ihr in Eintracht leben, damit Liebe und Vertrauen einander begegnen, damit Gerechtigkeit und Friede sich küssen. Gott, tue unseren Mund auf, dass wir uns und die anderen Menschen daran erinnern: dir gehört die Erde; alle Menschen in ihr sind deine Geschöpfe. Du willst: sie sollen leben, wir mit ihnen sollen leben, damit dein Bild die Erde erfüllt. Gott, tue unseren Mund auf, dass wir Zeugnis ablegen: du bist der Herr über Leben und Tod; niemand hat das Recht für kein Ziel, Menschen um ihr Leben zu bringen. Gott, tue unseren Mund auf, dass wir ins Gedächtnis rufen, immer wieder: du bist ein Gott des Friedens, du willst Gerechtigkeit für alle Menschen, dass sie leben können und lieben und sich entfalten und suchen, was dem Frieden dient. Gott, tue unseren Mund auf, damit wir deinen Willen suchen und deinen Ruhm verkündigen. Amen.
Liedvorschlag (283,3-4): Ach dass ich hören sollt das Wort...
Lesung: Geschichte von Kain und Abel (1.Mose 4,1-10): „Der Mensch aber wohnte seinem Weibe Eva bei, und sie wurde schwanger und gebar den Kain. Da sprach sie: Ich habe einen Mann gewonnen mit Gottes Hilfe. Und weiter gebar sie den Abel, seinen Bruder; Abel wurde ein Schafhirt, Kain aber wurde ein Ackermann.
Es begab sich aber nach geraumer Zeit, dass Kain von den Früchten des Ackers Gott ein Opfer brachte. Und auch Abel brachte von den Erstlingen seiner Schafe und von ihrem Fett. Und Gott sah wohlgefällig auf Abel und sein Opfer, auf Kain und sein Opfer sah er nicht. Da ergrimmte Kain sehr und blickte finster. Und Gott sprach zu Kain: Warum ergrimmst du, und warum blickst du so finster. Ist’s nicht so? Wenn du recht handelst, darfst du frei aufschauen; handelst du aber nicht recht, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir steht ihre Begierde; du aber sollst Herr werden über sie!
Darauf sprach Kain zu seinem Bruder Abel: lass uns aufs Feld gehen! Und als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und schlug ihn tot. Da sprach Gott zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Er sprach: Ich weiß nicht, bin ich denn meines Bruders Hüter? Er aber sprach: Was hast du getan? Horch, das Blut deines Bruders Abel schreit zu mir empor vom Ackerland.“
Gedanken zum Text / Predigt
Liedvorschlag (430,1-4): Gib Frieden, Herr, gib Frieden,
Erklärung der Kirchenleitung zum 11. September 2002 Die Nordelbische Ev.-Luth. Kirche gedenkt heute, am 11. September, der Opfer des vergangenen Jahres, der Terroropfer in New York und Washington wie der Kriegsopfer in Afghanistan, der Opfer auf israelischer wie derer auf palästinensischer Seite. Auch die Toten in den zahlreichen Kriegen, die keine öffentliche Aufmerksamkeit finden, und die Toten des täglichen, lautlosen Hungerkrieges sollen ebenso wenig vergessen sein wie die, die durch unterschiedliche Formen von Gewalt in unserem Land zu Tode gekommen sind.
Nicht nur an die Opfer, auch an die Täter denken wir. Denn wo wir als Christinnen und Christen nicht nur für die Opfer Gott anrufen, sondern auch für die Täter, stellt sich auch die Frage nach Motiven und Ursachen: Wer genau hinsieht, wird ein erschreckendes Ausmaß an Demütigungen, Ohnmachtserfahrungen und Kränkungen finden, das Menschen über Jahre hin verleitet, mehr und mehr Zuflucht zu suchen in Fanatismus, Gut-und-Böse-Ideologien, Menschenverachtung und Gewaltphantasien. – Was kann und muss in diesen Zeiten Feindesliebe, Entfeindung heißen?
Viele Menschen haben Angst, rufen nach mehr Sicherheit und antworten mit Krieg: Krieg gegen den Terrorismus. Eine beispiellose Remilitarisierung internationaler Beziehungen ist im Gange. Die neu erkannten Gefahren scheinen der Lehre vom Gerechten Krieg neue Geltung zu verschaffen. – Aber wird der Gefahr so beizukommen sein?
Bei aller Notwendigkeit, Gewalt einzudämmen und zu verhindern, haben Christinnen und Christen noch eine andere Perspektive: Gottes Liebe gilt allen, auch denen, die zu Tätern wurden. Darum wird Gewalt erst dann wirklich zu überwinden sein, wenn die Täter selber von Hass und Terror lassen, wenn sie keinen verzweifelten Sinn mehr in solchen Taten sehen, sondern stattdessen gemeinsame konstruktive Lösungen suchen. Der Weg dahin ist weit – aber ohne Alternative. Er muss dringend eingeschlagen werden!
Zu den ersten Schritten gehört auch eine intensivierte christlich-muslimische Begegnung und Zusammenarbeit. Suchen wir verstärkt solche Begegnung, zeigen wir uns selbst, schauen wir genauer hin und scheuen wir auch die Auseinandersetzung nicht! Unsere Gesellschaft braucht uns als Anwältinnen und Anwälte von interkulturellem Gespräch und religiöser Verschiedenheit in Versöhnung. Der „Tag der Weltreligionen“ am 14. November 2002 wird dazu ein wichtiges Datum sein.
Zugleich ruft die Kirchenleitung dazu auf, die diesjährige Ökumenische Friedensdekade vom 10. bis 20. November 2002 unter dem Motto „Warum habt ihr Angst?“ mit diesen Fragen und Perspektiven zu gestalten.
Verstehen wir all dies als unsere Schritte im Rahmen der ökumenischen „Dekade zur Überwindung von Gewalt“! Sie lebt davon, dass Gewalt kein Weg ist, dass Gewalt überwindbar ist. Nicht eine konfliktlose Welt ist das Ziel, wohl aber, dass Konflikte genauer erkannt, gewaltfrei und geduldig ausgetragen und miteinander geregelt werden. Böses nicht mit Bösem, sondern mit Gutem überwunden zu haben – das soll das Entscheidende sein, wovon wir zu erzählen haben.
Liedvorschlag (322,1.6-7): Nun danket all und bringet Ehr, ihr Menschen in der Welt,...
Gebet: Gott, tue unseren Mund auf, dass wir deinen Ruhm verkündigen und dir die Ehre geben, dass wir uns, wie dein Sohn an die Seite derer stellen, die unsere Unterstützung und Begleitung brauchen. Mit ihm beten wir zu dir:
Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gibt uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Segen: Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.
Liedvorschlag (421): Verleih uns Frieden gnädiglich, o Gott, zu unsern Zeiten...
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------Herausgegeben von der Kirchenleitung der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche / Entwurf: Oberkirchenrätin Heide Emse als rtf-Dokument zum Herunterladen Vorschläge und Material für Andachten zum 11.9.02 aus den USA Vorschlag für eine Andacht am 11.9.02 von der lutherischen Kirche in den USA (ELCA) |