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Erklärung der Kirchenleitung zum 11. September 2002

Die Nordelbische Ev.-Luth. Kirche gedenkt heute, am 11. September, der Opfer des vergangenen Jahres, der Terroropfer in New York und Washington wie der Kriegsopfer in Afghanistan, der Opfer auf israelischer wie derer auf palästinensischer Seite. Auch die Toten in den zahlreichen Kriegen, die keine öffentliche Aufmerksamkeit finden, und die Toten des täglichen, lautlosen Hungerkrieges sollen ebenso wenig vergessen sein wie die, die durch unterschiedliche Formen von Gewalt in unserem Land zu Tode gekommen sind.

Nicht nur an die Opfer, auch an die Täter denken wir. Denn wo wir als Christinnen und Christen nicht nur für die Opfer Gott anrufen, sondern auch für die Täter, stellt sich auch die Frage nach Motiven und Ursachen:

Wer genau hinsieht, wird ein erschreckendes Ausmaß an Demütigungen, Ohnmachtserfahrungen und Kränkungen finden, das Menschen über Jahre hin verleitet, mehr und mehr Zuflucht zu suchen in Fanatismus, Gut-und-Böse-ldeologien, Menschenverachtung und Gewaltphantasien. -Was kann und muss in diesen Zeiten Feindesliebe, Entfeindung heißen?

Viele Menschen haben Angst, rufen nach mehr Sicherheit und antworten mit Krieg: Krieg gegen den Terrorismus. Eine beispiellose Remilitarisierung internationaler Beziehungen ist im Gange. Die neu erkannten Gefahren scheinen der Lehre vom Gerechten Krieg neue Geltung zu verschaffen. -Aber wird der Gefahr so beizukommen sein?

Bei aller Notwendigkeit, Gewalt einzudämmen und zu verhindern, haben Christinnen und Christen noch eine andere Perspektive: Gottes Liebe gilt allen, auch denen, die zu Tätern wurden. Darum wird Gewalt erst dann wirklich zu überwinden sein, wenn die Täter selber von Hass und Terror lassen, wenn sie keinen verzweifelten Sinn mehr in solchen Taten sehen, sondern statt dessen gemeinsame konstruktive Lösungen suchen. Der Weg dahin ist weit - aber ohne Alternative. Er muss dringend eingeschlagen werden!

Zu den ersten Schritten gehört auch eine intensivierte christlich-muslimische Begegnung und Zusammenarbeit. Suchen wir verstärkt solche Begegnung, zeigen wir uns selbst, schauen wir genauer hin und scheuen wir auch die Auseinandersetzung nicht! Unsere Gesellschaft braucht uns als Anwältinnen und Anwälte von interkulturellem Gespräch und religiöser Verschiedenheit in Versöhnung. Der Tag der Weltreligionen" am 14. November 2002 wird dazu ein wichtiges Datum sein.

Zugleich ruft die Kirchenleitung dazu auf, die diesjährige Ökumenische Friedensdekade vom 10. bis 20. November 2002 unter dem Motto Warum habt ihr Angst?" mit diesen Fragen und Perspektiven zu gestalten.

Verstehen wir all dies als unsere Schritte im Rahmen der ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt"! Sie lebt davon, dass Gewalt kein Weg ist, dass Gewalt überwindbar ist. Nicht eine konfliktlose Welt ist das Ziel, wohl aber, dass Konflikte genauer erkannt, gewaltfrei und geduldig ausgetragen und miteinander geregelt werden. Böses nicht mit Bösem, sondern mit Gutem überwunden zu haben - das soll das Entscheidende sein, wovon wir zu erzählen haben.

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