„Kein Krieg im Irak“
Nordelbische Synode beschließt Aufruf gegen einen
Militärschlag im Irak
Rendsburg (nr). Angesichts des sich weiter zuspitzenden Konfliktes im Nahen
Osten und einer zunehmenden Kriegshysterie auf der weltpolitischen Ebene ruft
die Synode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche auf, einen Krieg
gegen den Irak zu verhindern. Die Synode begrüßt in diesem Zusammenhang die
Erklärung der Verantwortlichen der Kirchen vom 5. Februar 2003 gegen
den Krieg im Irak und schließt sich dem Wortlaut an. Sie entspricht der
eigenen Erklärung der Synode vom September 2002.
In diesem Zusammenhang fordert die Synode dazu auf, die
Friedensgebete fortzusetzen und sich
an der zentralen Demonstration am 15. Februar 2003 in
Berlin gegen einen Irakkrieg zu beteiligen.
Das Amt für Öffentlichkeitsdienst der Nordelbischen Kirche bietet ab kommendem
Mittwoch (12. Februar 2003) einen Aufkleber der Evangelischen Kirche an:
„Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein“. (Telefon: 040 / 41 32 24-0)
Wortlaut des Aufrufs vom 5. Februar:
Verantwortliche der Kirchen vereint gegen einen Krieg im Irak
Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa, in Beratung mit den Kirchenräten in
den USA und dem Nahen Osten, sind wir äußerst besorgt über die nicht
nachlassenden Forderungen der USA und einiger europäischer Regierungen nach
militärischen Aktionen gegen den Irak. Als Menschen des Glaubens drängt uns
die Liebe zu unseren Nächsten dazu, gegen Krieg Widerstand zu leisten und
friedliche Konfliktlösung zu suchen. Als Kirchen beten wir für Frieden und
Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für die Menschen im Irak und im Nahen
Osten insgesamt. Solches Beten verpflichtet uns, Werkzeuge des Friedens zu
sein.
Wir bedauern, dass die mächtigsten Nationen dieser Welt Krieg wieder als ein
akzeptables Mittel der Außenpolitik betrachten. Dies schafft ein
internationales Klima der Furcht, Bedrohung und Unsicherheit.
Wir können die Ziele, die von diesen Regierungen, insbesondere den USA, zur
Begründung eines Krieges gegen den Irak angeführt werden, nicht akzeptieren.
Ein präventiver kriegerischer Angriff als Mittel, um die Regierung eines
souveränen Staates auszuwechseln, in unmoralisch und stellt eine Verletzung
der UN-Charta dar. Wir appellieren an den Sicherheitsrat, an den Grundsätzen
der UN-Charta festzuhalten, die die legitime Anwendung militärischer Gewalt
eng begrenzen, und die vermeiden, dass ein negativer Präzedenzfall geschaffen
wird, der die Hemmschwelle erniedrigt, gewaltsame Mittel zur Lösung
internationaler Konflikte einzusetzen.
Wir glauben, dass militärische Gewalt ein ungeeignetes Mittel ist, um die
Abrüstung irakischer Massenvernichtungswaffen zu erreichen. Wir bestehen
darauf, dass für die sorgfältig geplanten Maßnahmen der UN-Waffeninspektionen
genügend Zeit eingeräumt wird, um die Arbeit zu Ende führen zu können.
Alle Mitgliedsstaaten der UNO müssen sich an bindende UN-Resolutionen halten
und Konflikte durch friedliche Mittel lösen. Der Irak kann keine Ausnahme
sein. Wir rufen die Regierung des Irak dazu auf, alle Massenvernichtungswaffen
zu zerstören und damit verbundene Forschung und Produktionsstätten aufzugeben.
Der Irak muss in jeder Hinsicht mit den UN-Inspektoren zusammenarbeiten und
allen seinen Bürgern die volle Anerkennung der bürgerlichen und politischen,
wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte garantieren. Den
Menschen im Irak muss die Hoffnung gegeben werden, dass es Alternativen sowohl
zu Diktatur als zu Krieg gibt.
Ein Krieg hätte unannehmbare Folgen für die Situation der Menschen, u. a. die
Entwurzelung von großen Teilen der Bevölkerung, den Zusammenbruch staatlicher
Funktionen, die Gefahr, von Bürgerkrieg und Destabilisierung der ganzen
Region. Das Leiden irakischer Kinder und der unnötige Tod hunderttausender
Iraker während der letzten zwölf Jahre der Sanktionen lasten schwer auf
unseren Herzen. In der gegenwärtigen Situation bekräftigen wir mit Nachdruck
das seit langem geltende humanitäre Prinzip, bedingungslosen Zugang zu
Menschen in Not zu gewähren.
Außerdem warnen wir vor den möglichen sozialen, kulturellen und religiösen,
aber auch diplomatischen Langzeitfolgen eines solchen Krieges. Weiteres Öl in
das Feuer der Gewalt zu gießen, das die Region bereits auffrisst, wird den
Hass nur noch weiter anfachen, indem extremistische Ideologien gestärkt und
weitere globale Instabilität und Unsicherheit genährt werden. Als
Verantwortliche aus Kirchen in Europa haben wir eine moralische und pastorale
Verpflichtung, Fremdenhass in unseren Ländern entgegenzutreten und den
Menschen in der muslimischen Welt die Furcht zu nehmen, die so genannte
westliche Christenheit stelle sich gegen ihre Kultur, Religion und Werte. Wir
müssen die Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde suchen.
Alle Regierungen, insbesondere die Mitglieder des Sicherheitsrates haben die
Verantwortung, diese Frage in ihrer ganzen Komplexität zu bedenken. Es sind
noch nicht alle friedlichen und diplomatischen Mittel ausgeschöpft worden, um
den Irak zu zwingen, den Resolutionen des UN Sicherheitsrates zu folgen.
Es ist für uns eine geistliche Verpflichtung, die sich auf Gottes Liebe zur
ganzen Menschheit gründet, uns gegen Krieg im Irak zu stellen. Mit dieser
Botschaft senden wir ein starkes Zeichen der Solidarität und Unterstützung an
die Kirchen im Irak, im Nahen Osten und in den USA. Wir beten, dass Gott die
Verantwortlichen leiten möge, Entscheidungen zu treffen, die auf der Basis
sorgfältiger Überlegung, moralischer Prinzipien und hoher rechtlicher
Standards beruhen. Wir laden alle Kirchen ein, sich uns in diesem Zeugnis
anzuschließen, für eine friedliche Lösung dieses Konflikts zu beten und alle
Menschen zu ermutigen, sich am Ringen um eine solche Lösung zu beteiligen.
Aufruf von Verantwortlichen aus europäischen Kirchen bei einem Treffen in
Berlin, am 5. Februar 2003, einberufen vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK)
in Absprache mit der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), dem Nationalen
Kirchenrat in den USA (NCCCUSA) und dem Mittelöstlichen Kirchenrat (MECC), auf
Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
"Krieg gegen den Irak kann keine Lösung bringen"
Die Synode der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen
Kirche (NEK) hat am Sonnabend 28.9.2002 in Rendsburg einen Aufruf gegen
einen möglichen Irak-Krieg beschlossen.
In dem Aufruf heißt es wörtlich: "Es ist für uns
unvorstellbar, dass ein Krieg gegen den Irak, zumal ein Präventivkrieg, in
einer derartig spannungsgeladenen Region zur Lösung dieser Probleme beitragen
kann."
Die Synodalen halten in ihrem Aufruf dagegen fest, die
Vorstellung, das Böse könne durch Krieg vernichtet werden, widerspreche der
biblischen Sicht der Welt und des Menschen. Eine militärische Intervention
ohne UN-Mandat untergrabe die Autorität der Vereinten Nationen und schaffe
einen weiteren Präzedenzfall.Ohne die
Perspektiven einer zukünftigen Friedensordnung würde die Region weiter
destabilisiert, die Position der Fundamentalisten gestärkt, die Not der
betroffenen Bevölkerung verschärft und darüber hinaus der notwendige
christlich-jüdisch-muslimische Dialog auf lange Zeit unmöglich gemacht.
Die Synode erinnerte daran, dass jeder Krieg vor Gott
grundsätzlich Unrecht ist. Sie ist der Überzeugung, dass ein gerechter Frieden
nicht auf dem Boden militärischer Gewalt wachsen könne. Gerechter Friede
wurzele dagegen in dem Respekt vor dem anderen Menschen, der Anerkennung
seines Rechts auf Leben und Entfaltung.
Diese Grundsätze zu beachten und neu in Geltung zu
setzen, müsse das Ziel aller Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten sein.
Der Wortlaut des Beschlusses:
„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein".
„Krieg ist kein Mittel der Politik mehr. Das Recht des Stärkeren darf nie
mehr triumphieren über die Stärke des Rechts der Völkergemeinschaft."
Das sind Lehren aus den bitteren Erfahrungen des II. Weltkrieges. Dahinter
dürfen wir auch im Umgang mit Terrorismus und Gewaltherrschaft nicht
zurückgehen.
Unsere ökumenischen Partner bringen uns Tag für Tag nahe, wie gewaltbereit
und politisch instabil die Lage im Nahen Osten ist, und in welcher Not die
Menschen dort leben. Dabei stellt das irakische Regime eine besondere Gefahr
dar. Es unterdrückt die eigene Bevölkerung und bedroht seine Nachbarstaaten Es
missachtet alle gegen sein Land gerichteten Resolutionen der internationalen
Gemeinschaft.
Es ist für uns unvorstellbar, dass ein Krieg gegen den Irak, zumal ein
Präventivkrieg, in einer derartig spannungsgeladenen Region zur Lösung dieser
Probleme beitragen kann.
Dagegen halten wir fest:
- Kriege, die geführt werden, um das Böse zu vernichten, widersprechen der
biblischen Sicht der Welt und des Menschen.
- Ein Krieg ohne UN-Mandat würde den Angreifer auf dieselbe Stufe stellen wie
das Regime in Bagdad. Er untergräbt die Autorität der Vereinten Nationen und
schafft einen Präzedenzfall.
Ein Krieg ohne die Perspektiven einer zukünftigen Friedensordnung würde die
Region weiter destabilisieren, die Position der Fundamentalisten stärken, die
Not der betroffenen Bevölkerung verschärfen und darüber hinaus den notwendigen
christlich-jüdisch-muslimischen Dialog auf lange Zeit unmöglich machen,
Die Synode erinnert daran, dass jeder Krieg vor Gott grundsätzlich Unrecht
ist. Sie ist der Überzeugung, dass ein gerechter Frieden nicht auf dem Boden
militärischer Gewalt wachsen kann. Gerechter Friede wurzelt dagegen in dem
Respekt vor dem anderen Menschen, der Anerkennung seines Rechts auf Leben und
Entfaltung. Diese Grundsätze zu beachten und neu in Geltung zu setzen muss das
Ziel aller Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten sein.
Einbringer: Dr. Ingo Lembke und Herr Joachim Schiemann
einstimmig beschlossen von der 15. Tagung der V. Synode der Nordelbischen
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rendsburg am 28. September 2002
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